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Gesundheit

Schwangerschaft

Schwanger trotz Thrombose

20. August 2015

Die Entscheidung für oder gegen ein  Kind hängt von vielerlei Dingen ab.  Ob persönlicher Wunsch, die aktuelle Lebenslage oder der passende Zeitpunkt. Da wäre noch der finanzielle Aspekt. Aber auch der Zeitfaktor ist nicht zu unterschätzen.

Können wir uns ein weiteres Kind leisten? // Wir haben so schon kaum Zeit! Und dann noch ein Kind?!”

Die Gesundheit spielt anfänglich eher eine untergeordnete Rolle. Gesundheitliche Schwierigkeiten seitens der Frau stehen nicht oft im Fokus der Kinderplanung. Außer dem Alter einer Frau kenne ich wenig Gründe, die aus medizinischer Sicht gegen eine Schwangerschaft sprechen. Und wenn diese Gründe da sind, dann sind sie auch eher selten.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, machte ich mir keine Gedanken, dass mein Körper mal das Problemzentrum sein würde. Meine Gedanken kreisten nur darum, ob mit dem ungeborenen Kind alles in Ordnung ist. Ob es gut versorgt wird und sich entsprechend entwickelt. Es zählte nur die Gesundheit des Kindes. Ich war Anfang 20. Jung und gesund. Was sollte da schon schlimmes passieren? Ich wurde eines Besseren belehrt. Und das von Jetzt auf Gleich.

Die Schwangerschaft verlief, bis auf die üblichen Beschwerden, bis zum dritten Trimester völlig unauffällig. Ich fühlte mich prächtig und genoss die Zeit mit dem Babybauch immer mehr. Ich fühlte mich schöner denn je! Aber dann kamen die Schmerzen. Erst schleichend und noch leicht zu ertragen. Sie begannen in der linken Leiste. Anfänglich eine eher dumpfes Gefühl, dass Beschwerden beim Laufen bereitete. Dann passte der linke Stiefel plötzlich nicht mehr. Ich dachte mir nichts dabei.  Schließlich seien Wassereinlagerungen doch normal zum Ende der Schwangerschaft. Einige Tage danach hatte ich meine nächste Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin. Ich beschrieb meine Beobachtungen kurz, in der Erwartung beruhigender Worte wie “das ist völlig normal!”. Stattdessen verließ ich die Praxis mit einem Einweisungsschein ins Krankenhaus. Der Verdacht meiner Ärztin: Thrombose. Das bekommen doch nur alte Menschen? Oder wenn man überdurchschnittlich viel sitzt, wie im Flugzeug zum Beispiel. Aber ich? Mit Anfang 20? Und dazu noch schwanger? Noch am gleichen Abend befand ich mich in der Klinik. Unruhig. Aufgelöst. Den Tränen nah. (In solchen Momenten neige ich zu irrationaler Panik und völliger Überreaktion.) Erst am nächsten Tag fand die Untersuchung statt, um festzustellen ob es sich tatsächlich um eine Thrombose handelt. die untersuchende Ärztin gab erst einmal Entwarnung. Lediglich eine Blutstauung, verursacht durch die Lage des Kindskopfes. Ich konnte durchatmen und wurde wieder nach Hause geschickt. Es dauerte aber keine Woche bis die Beschwerden trotz blutverdünnender Medikation wieder zurückkamen. Und diesmal umso heftiger. Laufen war nun kaum noch möglich. Jeder Schritt war ein Schritt zu viel.  Es fühlte sich an als hätte jemand einen Dolch in meine Leiste gebohrt und und würde nun mit jedem Schritt noch einmal zu stechen. Bei einem weiteren Besuch im Krankenhaus wurde dann endgültig die Thrombose festgestellt. Was das für Konsequenzen zu bedeuten hatte, begriff ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht.

Für Frauen mit Gesinnungsstörungen sind Schwangerschaften eine heikle Angelegenheit. Mir hat man damals gleich gesagt, dass ich mir ein zweites Kind gut überlegen solle. Eine erneute Schwangerschaft mit “Zustand nach Thrombose” würde risikobehaftet und mit einigen Einschränkungen verbunden sein. Auch für das ungeborene Kind könnte solch eine Schwangerschaft Probleme bereiten. Zugegebenermaßen war der Wunsch nach einem zweiten Kind direkt nach der Geburt des Ersten äußerst gering – eigentlich war er gar nicht vorhanden. Ich war noch damit beschäftigt die Strapazen der Schwangerschaft zu verdauen.

Aber wie es mit allem so ist – Was man nicht haben kann, begehrt man umso mehr. Und so störte es mich weniger ein Einzelkind großzuziehen, als die Tatsache, dass mir schlicht und einfach die Möglichkeit genommen wurde! Ich, oder besser gesagt wir, wollten entscheiden. Wir wollten die Wahl haben ob unsere Familie noch wächst oder nicht. Irgendwann hatte ich mich damit abgefunden und betrachtete die Familienplanung als abgeschlossen. Bis zum Sommer 2014. Denn da fing das erste Kind an zu fragen warum es denn kein Geschwisterchen hat. Unsere Erklärungen stießen zwar auf Verständnis, aber der Wunsch nach einem Bruder oder einer Schwester wurde dennoch immer größer. Und so begann auch ich wieder darüber nachzudenken, es vielleicht doch zu wagen. Der erste Termin bei meiner Ärztin folgte kurze Zeit später. Und obwohl ich damit rechnete eher die Empfehlung zu bekommen, es doch sein zu lassen, machte mir meine Frauenärztin Mut. Es folgten weitere Untersuchungen und Termine bei diversen Ärzten. Mit dem Ergebnis, dass sich alle einig waren und kein Problem in einer erneuten Schwangerschaft sahen. Schwanger trotz Thrombose? Mein Risiko erneut eine Thrombose oder andere damit verbundene Komplikationen zu erleiden, war geringer als anfänglich vermutet. Zwar gab es einige Dinge zu beachten, aber im Grunde stand einer erneuten Schwangerschaft nichts mehr im Weg.

Grundsätzlich sollte eine Schwangerschaft geplant werden, wenn man von gesundheitlichen Problemen weiß. Damit man weiß worauf man sich ein lässt. Damit man weiß worauf man achten muss und damit man sich vorbereiten kann. Vor allem bei Gerinnungsstörungen ist eine Planung unabdingbar. Denn ohne Medikation könnte es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen. In meinem Fall, der Thrombose, war Heparin das Mittel der Wahl. Eine Spritze täglich sollte eine erneute Schwangerschaftsthrombose verhindern. Durch die gute Planung im Vorfeld konnte ich nahezu direkt zu Beginn der Schwangerschaft mit der Medikation beginnen. Das Risiko wurde also so gering wie möglich gehalten. Neben den üblichen Vorsorgeuntersuchungen bei der Gynäkologen standen aber noch weitere Termine bei der Gerinnungssprechstunde an. In Berlin gibt es eine Einrichtung die sich darauf spezialisiert hat Schwangere mit Gerinnungsstörungen zu betreuen. Ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben und kompetent betreut.  So wurde mir dort auch erklärt welchen Einfluss der Säure-Basen- Haushalt auf die Gerinnung im menschlichen Körper hat und wie man diesen durch Ernährung beeinflussen kann. Bisher verläuft die Schwangerschaft hinsichtlich der Gerinnung ohne Komplikationen. Natürlich wird das letzte Trimester noch einmal schwierig, da hier ein höheres Thromboserisiko vorliegt. Auch wenn die Angst, dass vielleicht doch noch etwas schiefgehen könnte, immer mitschwingt, bin ich dennoch zuversichtlich dass alles gut geht.

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