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Erwartungsdruck

Gesellschaft

Wenn der Druck steigt

28. Januar 2016

Als ich letztens mit meinem Sohn am Tisch saß und wir ein Bild malten, fragte er mich welche Farbe er für die Wiese nehmen sollte. “Grün” antwortete ich rasch. “Aber muß man doch nicht! Ich kann sie doch auch bunt malen.” erwiderte er.

“Aber muss man doch nicht!” Wie recht er hat. Warum müssen wir eigentlich so viel müssen? Warum machen wir uns selbst soviel Druck? Den ganzen Abend ließ mich die Thematik nicht los…Aber von vorn.

Von wegen Entscheidungsfreiheit

Wir leben ja glücklicherweise in einer Gesellschaft, in der wir freie Entscheidungen treffen können. Sollte man zumindest meinen. Freie Jobwahl, feie Wahl des Lebenspartners, die Wahl über den Ort an dem wir leben möchten. All das und vieles mehr steht uns frei. Wir selbst können entscheiden wie wir unser Leben verbringen wollen. Aber ist das wirklich so? Sind wir tatsächlich frei in unseren Entscheidungen? Oder werden wir vielmehr durch andere beeinflusst und wir machen dann doch eher das, was von uns irgendwie erwartet wird? Schaut man genauer hin so fällt auf, dass man doch plötzlich ganz viel muss! Keine Spur mehr von der freien Wahl und den ganzen Möglichkeiten. Es gibt einfach Dinge die werden erst einmal so grundsätzlich erwartet. In der Schule müssen gute Noten her, danach sollte es mit einem Studium weitergehen, die Festanstellung hinterher steht außer Frage und dann, so zwischendurch, muss noch der passende Partner für die Familiengründung und den Hausbau gefunden werden. Dabei sollte man natürlich gut aussehen, fit & aktiv sein und sich noch möglichst, angelehnt an die neuesten Trends der Ernährungswissenschaft, gesund ernähren. Ach ja, aufgeschlossen und kontaktfreudig sollte man natürlich auch sein. Der Erwartungsdruck in der heutigen Gesellschaft ist enorm.

 Wir müssen so viel.

Ich denke jeder kennt das Gefühl. Ob nun der moderne Mann, von dem erwartet wird ein harter Kerl und gleichzeitig ein einfühlsamer Familienvater zu sein. Oder die moderne Frau, die Haushalt, Kinder und Karriere ohne Probleme schultern und dabei noch möglichst umangestrengt hübsch sein muss. Dazu soll man ganz grundsätzlich ein glückliches und erfülltes Leben führen. Und dabei betrifft es nicht mehr nur uns Erwachsene. Auch auf Kinder wird heutzutage großer Druck ausgeübt. Kinder müssen nett, freundlich und wohlerzogen sein. Gleichzeitig auch aber auch aktiv und aufgeschlossen. Ein Kind dar nicht “vorlaut” sein, ein Duckmäuser ist aber auch nicht gern gesehen. Im besten Fall schreiben sie nur gute Noten, zeigen  Initiative im Sportverein und haben auch sonst nur tolle Hobbies. Langeweile lernen die wenigsten Kinder heute kennen.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Unser Leben ist voll gepackt mit platzenden Terminplänen, To Do’s und Checklisten. Alles Aufgaben, die erledigt werden wollen und so wichtig erscheinen. Was aber wirklich wichtig ist, ist letztendlich nur eines: eigenständiges Denken! Man sollte sich fragen was man wirklich will. Für sich selbst und (eventuell) seine Familie. Sind die bisherigen Entscheidungen, die man getroffen hat wirklich die eigenen oder ist man nur auf dem Zug antiquierter gesellschaftlicher Normen aufgesprungen. Sich von dem Druck durch Erwartungen anderer zu befreien braucht Zeit. An erster Stelle steht aber das Hinterfragen der Eigenständigkeit und des eigenen Verhaltens. Ich beobachte immer wieder, dass viele Dinge gemacht werden, weil – nun ja – weil man das einfach so macht. Seit Jahrzehnten schon. Und was so lange funktioniert hat kann doch nicht auf einmal schlecht sein. Ja, das stimmt. Aber es kann für einen selbst nur gut funktionieren, wenn die Entscheidung dafür oder dagegen bewusst getroffen wurde. Viele junge Frauen haben Kinder fest vorgesehen in ihrer Lebensplanung. Dabei können einige mit Kindern so gar nichts anfangen und sprechen das auch offen aus. Das Kinderkriegen gehört für viele aber dennoch dazu. Weil man das eben so macht – als Frau! Die Dissonanz zwischen den eigenen Wünschen und den gesellschaftlichen Normen wird größer und macht dauerhaft unzufrieden. Dabei ist es doch so einfach. Jeder hat es selbst in der Hand. Jeder entscheidet selbst was er möchte und nicht möchte. Und genau da liegt vielleicht auch die Erklärung des Ganzen. Denn mit Entscheidung geht die Verantwortung Hand in Hand. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Wenn wir also immer die Entscheidungen auf gesellschaftliche Normen und Ausflüchte in tradierte Verhaltensweisen schieben, so scheint es auch, dass wir Verantwortung abgeben können. Doch man sollte sich gut überlegen, ob man Entscheidungsfreiheit mit weniger Verantwortung aufwiegen möchte. Sich frei machen von dem Druck des Müssens ist sicherlich nicht leicht. Aber Letztendlich lebt man für sich und niemand anderen. Und das Ziel sollte ein zufriedenes Leben sein. Und das funktioniert nur wenn man zu sich selbst und seinen Entscheidungen stehen kann.

Es geht dabei nicht nur um uns

Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass wir Entscheidungen nicht nur für uns treffen. Jeden Tag treffen wir kleinere oder auch größere Entscheidungen für unsere Kinder. Wir gestalten unseren Alltag und schaffen damit ihre Kindheit. Das sollte uns bewusst sein. Auch sollte wir vielleicht nicht zu viel von unseren Kindern erwarten. Auf Dauer sind zu viele Erwartungshaltungen an unsere Kinder ungesund und bauen beim Kind, wie auch bei jedem Erwachsenen, zu viel Druck auf. Wir als Eltern haben es in der Hand, ob unsere Kinder mehr wollen und weniger müssen.

 

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