Alltag

“Beeil dich!” Über Hektik und Eile im Familienalltag

1. Dezember 2016

“Jetzt komm endlich!” “Los, beeil dich doch mal!” “Warum musst du nur immer so trödeln?” Solche oder ähnliche Sätze höre ich fast täglich. Beim Hinbringen oder Abholen vom Kindergarten, an der Supermarktkasse, auf dem Gehweg – eigentlich überall da wo Kinder und ihre Eltern sind. Die Hektik im Alltag ist allgegenwärtig und bringt oftmals weinende Kinder mit sich.

Wenn es schnell gehen muss

Direkt gegenüber von unserem Wohnhaus befindet sich eine Kita (nicht unsere). Ich gehe dort also täglich mehrfach vorbei und bekomme oft mit wie viele Eltern aus ihren Autos hechten und dann das Kind flinken Fußes in die Kita bringen. Oftmals sind sie dabei auch genervt. Ziehen das oder auch die Kinder eilig hinter sich her und meckern noch. Viele Kinder weinen dabei. Das muss ein furchtbarer Start in den (Kita-)Tag sein. Für alle Beteiligten! Auch in unserer Kita erlebe ich es oft wie umentspannt die Kinder ihrer Tag beginnen müssen. Da wird in der Umkleide gedrängelt, es wir in die Hände geklatscht und ermahnt. Mutter oder Vater schaut sekündlich auf die Uhr und tippelt nervös mit dem Fuß. Schnell noch ein Küsschen zwischen Tür und Angel und dann ab zum Auto! Aber geht es denn dadurch wirklich schneller voran? Zieht sich das Kind dadurch wirklich schneller die Schuhe aus? Eher nicht! Auch beim Abholen wird gedrängelt. Das Spiel noch beenden? Nein, wir müssen ganz schnell los! In einer anderen Situation isst die Mutter vom Teller des Kindes, damit es schneller voran geht. Ungefragt! Ich finde das irgendwie respektlos.

Ich weiß sehr gut wie anstrengend so ein Familienalltag sein kann. Bis alle früh fertig sind, dauert es seine Zeit. Und meistens ist man eh spät dran. Dann muss auch noch pünktlich auf Arbeit, in der Uni oder sonst wo sein. Da interessiert es kaum einen warum man es nicht rechtzeitig geschafft hat. Man hetzt also von A nach B, ist dauergestresst und genervt. Ich nehme mich hierbei keinesfalls aus. Auch bei uns gibt es Tage, die eher hektisch beginnen. Tage an denen wir uns beeilen müssen, um noch vor dem Morgenkreis in der Kita anzukommen. Meistens bin ich dabei diejenige, die getrödelt hat! und überhaupt kann man die Schuld kaum bei den Kindern suchen. Denn schließlich bin ich ja für die Organisation und Zeitplanung des Alltages verantwortlich.

In der Ruhe liegt die Kraft

Kinder leiden oft unter der Hektik im Alltagsstress. Selten bleibt Zeit zum Vögel beobachten oder Blümchen pflücken. Die Kinder selbst können nichts dafür wenn wir spät dran sind und werden dafür dann noch von uns angemeckert? Das ist unfair! Es wäre doch für alle schöner, wenn der Tag entspannter und ruhiger beginnt. Wir wissen selbst, dass in Hektik kaum etwas schneller voran geht! Zumindest ist das bei mir so. Es stresst nur unnötig und führt dazu, dass man sich verzettelt. Dann dauert es am Ende noch länger. Anstatt das Kind also die ganze Zeit anzutreiben und zu scheuchen, wäre ein wenig mehr Ruhe und Gelassenheit vielleicht zielführender. Man muss ja nicht immer gleich schimpfen, wenn das Kind kurz abgelenkt ist. Ein freundlicher Hinweis, dass man gleich einen Termin hat oder pünktlich irgendwo erscheinen muss, reicht doch auch schon.

Mich macht es traurig zu sehen wie oft Kinder aus ihrem Spiel gerissen werden, weil sie gerade abgeholt werden. Unser Sohn beschwert sich ja oft, wir würden ihn zu zeitig holen. Und wenn er gerade ein Spiel mit seinen Freunden spielt, dann darf er es auch fast immer ordentlich beenden. Wir lassen ja auch nicht immer alles sofort stehen und liegen. Auch bei uns geht das nicht jeden Tag. Auch wir haben nachmittags Termine, die eingehalten werden müssen. Grundsätzlich versuche ich meinen Stress, den ich vielleicht habe, aber nicht auf meine Kinder zu übertragen. Warum auch? Es bringt ja eh nichts.

Mir ist klar, dass es ein kleiner Luxus ist, dass wir oft in Ruhe frühstücken können. Meine Vorlesungen beginnen selten vor 10Uhr. Ich hab also gut reden, wenn ich vom entspannten Start in den Tag spreche. Ich weiß, dass nicht jeder früh morgens so viel Zeit hat. Aber darum geht es auch gar nicht. Eigentlich ist doch alles eine Frage der Haltung. Denn Hektik und Stress verursachen nur noch mehr – ja, richtig –  Hektik und Stress. Und damit geht es auch nicht schneller!

 

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