Studium

Studium mit Kind?

25. August 2015

Nur 5% der Studierenden in Deutschland ziehen während ihres Studiums ein oder mehrere Kind(er) groß. Das klingt wenig und ist es im Grunde auch. Aber ist es wirklich so schwer Studium und Kindererziehung zu vereinbaren? Ich selbst habe mein derzeitiges Studium begonnen als ich bereits schwanger war. Für mich und meinen Partner schien das damals die sinnvollste Lösung zu sein. Rückblickend betrachtet war es das auch. Denn nun stehe ich kurz vor meinem Abschluss und schaue zufrieden auf die vergangenen Jahre zurück.

Ein Studium bietet mir als Mutter die notwendige Flexibilität zwischen Selbstverwirklichung und Kinderbetreuung. Ich brauche kein schlechtes Gewissen haben wenn ich in meinem Job nicht verfügbar sein kann, um mein krankes Kind zuhause zu pflegen. (Auch im Job sollte man kein schlechtes Gewissen haben müssen – aber oftmals ist es ja nicht so einfach!) Niemand stellt fragen, wenn ich mal zu einer Vorlesung nicht erscheine oder ein Seminar sausen lasse. Die Verantwortung liegt ganz bei mir selbst. Diese Verantwortung bringt aber auch eine Reihe von Herausforderungen mit sich, die es zu überwinden gilt. Zum einen erfordert ein Studium an sich schon ein hohes Maß an Disziplin und Durchhaltevermögen. Ohne diese wäre ein erfolgreicher Abschluss wohl kaum möglich. Zieht man während des Studiums aber noch ein Kind groß, so muss man noch disziplinierter sein. Man muss in der Lage sein sich selbst immer wieder aufs Neue zu motivieren und sich stets das Ziel vor Augen halten zu können. Zum anderen muss man Organisationsgeschick mitbringen. Ansonsten versinkt man in einem chaotischen Alltag, der keinen Freiraum für Lernphasen bietet. Das hat bei uns mal gut und auch mal weniger gut geklappt. Prokrastination machte sich besonders und auch ungünstigerweise immer genau zur Prüfungszeit breit.

Ich muss erstmal das Bad putzen. Oh! Der Geschirrspüler muss ja noch ausgeräumt werden. Ich wollte doch schon seit Ewigkeiten mal meinen Kleiderschrank ausmisten!

In meinem Fall hat aber das Dasein als Mutter ganz von alleine dazu geführt, dass ich mich letztendlich (wenn auch oft kurz vor Zwölf) immer wieder zum Lernen aufraffen konnte. Denn schließlich mache ich das Ganze ja nicht mehr nur noch für mich allein. Hinter mir steht eine kleine Familie, die ich nicht enttäuschen möchte.

Dass es aber nicht nur auf persönliche Eigenschaften und deren Ausprägungen ankommt, sollte klar sein. Studieren bedeutet auch entbehren zu können. Das Geld ist in der Regel knapp. Mit Kind scheint es oft noch knapper zu sein. Ich persönlich sehe aber in den eventuellen finanziellen Engpässen nicht so ein großes Problem. Zum einen braucht ein Kind auch nicht immer alles was einem so erzählt wird (das bemerkt man leider erst hinterher) und zum anderen erhält man als Student zahlreiche Vergünstigungen in vielen Lebensbereichen. So gibt es neben vielen direkten finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten ( Bafög, Elterngeld, Stiftungsbeihilfen, etc.) auch Gebührenerstattungen, wie beispielsweise geringe Elternbeiträge für die Kinderbetreuung. Vor allem in den ersten Jahren stellt das eine große Hilfe dar, um sich als Familie erst einmal zu finden und die neuen finanziellen Herausforderungen meistern zu können.

Auch die Verwandtschaft kann eine große Unterstützung darstellen, wenn man Kind und Studium miteinander vereinbaren möchte. Wir haben das Glück unsere Familien in unserer Nähe zu haben. So können die Großeltern das Kind betreuen, wenn mal wieder Prüfungen anstehen oder eine Vorlesung erst am Abend stattfindet. Ohne diese Unterstützung, wären die vergangenen Jahre sicher schwieriger gewesen – vielleicht sogar unmachbar. Aus meiner Sicht bietet das Studium mit Kind neben den ganzen Herausforderungen und Entbehrungen aber auch Vorteile. Nach dem Studium kann ich mich auf meine berufliche Laufbahn konzentrieren ohne die Familienplanung anzugehen, da diese bereits abgeschlossen ist. Auch die doppelte Belastung während der Studienzeit spricht für Organisationsgeschick, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit zur Selbstdisziplin. Für viele Arbeitgeber sind dies sicherlich wichtige Eigenschaften.

Viel wichtiger als diese “Rahmenbedingungen” finde ich allerdings die eigene persönliche Einstellung. Man sollte sich bewusst darüber sein, dass das Studentenleben mit Kindern nicht unbedingt dem von kinderlosen Studenten entspricht. Eine spontane Party nach den Vorlesungen? Ein Auslandsemester? So etwas ist meist nicht drin. Ein Studium mit Kind erfordert kontinuierliche Planung und Organisation. Die zeitlichen Einschränkungen und auch die Gebundenheit an einen Wohnort sollte man nicht unterschätzen.

Kurz nach Beginn meines Studiums kamen bei mir Zweifel auf. Zweifel ob die Entscheidung für ein Kind auch wirklich die Richtige war. Denn ich konnte nicht einfach spontan in eine andere Stadt fahren. Ein Auslandssemester oder Auslandspraktikum kamen auch nicht in Frage. Für die persönliche Entwicklung sind solche Erfahrungen aber enorm wichtig. Es hat einige Zeit gedauert bis ich meine Situation akzeptieren konnte ohne neidisch auf meine ungebundenen Kommilitonen zu schielen. Mittlerweile habe ich erkannt, dass mich mein Kind auf eine (andere) wertvolle Weise hat reifen lassen. Elternschaft verändert alles. Ich bin in den letzten Jahren nicht nur durch meine Erfahrungen im Studium sondern vor allem durch meine Erfahrungen als Mutter gewachsen.

 

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1 Kommentar

  • Antworten Mia 7. Februar 2017 um 22:56

    Sehr schöner Beitrag. Habe hier auch noch einen interessanten Artikel zum Thema Vereinbarkeit Studium und Kunden gefunden.
    https://www.textundwissenschaft.de/2017/01/30/1053/

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